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30. August 2011

So entsteht kein Vertrauen

DIE LINKE fordert die Rücknahme der überharten Personalentscheidungen des neuen Theaterintendanten

Eigentlich ist die Geschichte der Theater Vorpommern GmbH eine Erfolgsgeschichte. Auf Rügen, in Stralsund und in Greifswald haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr viel Achtung und Anerkennung erarbeitet.

Also könnte eigentlich alles gut sein. Wenn nicht die ständige Existenzangst wäre, die vor allem durch die fehlende Unterstützung seitens der Landespolitik ausgelöst wurde und wird. Und wenn nicht seltsame bis dubiose Vorgänge in der Geschäftsführung und rund um die Geschäftsführung die weitere Arbeit ständig infrage stellen würde.

In dieser Situation haben sich die Beschäftigten des Theaters und die sie vertrtenden Gewerkschaften trotzdem bereit erklärt, erneut einen Haustarifvertrag abzuschließen. Auf der einen Seite verzichtet damit die Belegschaft  auf erhebliche Einkommensteile, um die Ausgaben des Theaters zu mindern, und auf der anderen Seite erhalten sie dafür einen Kündigungsschutz. So scheint für alle Seiten Positives und Negatives - also ein gesunder Kompromiss - erreicht.

Genau in diesem Moment nun erklärt der zukünftige Intendant, dass er die auslaufenden Verträge in der Schauspielsparte fast allesamt nicht verlängern will. Wir können durchaus nachvollziehen, dass künstlerische Arbeit auch Veränderung braucht, um auf Dauer kreativ und publikumswirksam zu sein. Veränderungen in diesem Ausmaß, wie sie der zukünftige Intendant plant und die der Aufsichtsrat offensichtlich abgesegnet hat, kommen allerdings einem künstlerischen Kahlschlag sehr nahe. Ob ein gut funktionierendes Ensemble einen derartigen Aderlass tatsächlich unbeschadet übersteht, darf bezweifelt werden.

Zudem hat Herr Löscher noch vor seinem offiziellen Amtsantritt schon bewiesen, dass ihn soziale Aspekte im Umgang mit seinem Ensemble nicht sonderlich interessieren. Seine Entscheidung, die meisten Arbeitsverträge in der Sparte Schauspiel nicht zu verlängern, trifft überwiegend junge Familien, junge Mütter und Väter und deren Kinder. Dies zeugt entweder von Ignoranz oder aber von Inkompetenz im Hinblick auf die soziale Verantwortung eines Arbeitgebers dieser Größenordnung.

Eins steht aus Sicht der Linksfraktion fest: Vertrauen in die neue Leitung des Theaters wird auf diese Weise weder bei der Belegschaft noch beim Publikum erzeugt. Nach den vielen Unruhen und Unwägbarkeiten rund um das Theater wäre derartiges Vertrauen aber ein sehr wichtiger Grundstein für den zukünftigen Erfolg.

Die Fraktion DIE LINKE in der Greifswalder Bürgerschaft fordert den zukünftigen Intendanten auf, seine harten Personalentscheidungen gegen die Schauspieler zurückzunehmen und gemeinsam mit dem Ensemble eine tragbare, sozial faire Lösung zu finden. Wir unterstützen nachdrücklich alle Protest- und Solidaritätsaktionen, insbesondere die von Nils Dicaz begonnene!

Dr. Gerhard Bartels

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